gering verarbeitete Lebensmittel : Fette und Öle

 

Rapsöl

 

englisch: rape oil/ rapeseed oil und canola oil

 

Rapsöl und Rapskeimöl sind Produkte der Samen der Rapspflanze bzw. des botanisch ähnlichen Rübsens. Haupterzeuger des Öles sind China, Kanada, Indien, Frankreich, Polen, Großbritannien, Deutschland, Dänemark und Schweden.

Nicht nur in Deutschland, sondern in allen gemäßigten Klimazonen, ist Raps die bedeutendste Pflanze für die Ölgewinnung.

Doppel-Null-Raps, Canola

Canola ist eine in den Achtzigerjahren neu gezüchtete Rapssorte, die aufgrund ihrer, gegenüber den ursprünglichen Sorten, verbesserten Fettsäurezusammensetzung heute fast ausschließlich angebaut wird. Vor dieser Züchtung konnte Raps kaum für die menschliche Ernährung oder Tierfütterung eingesetzt werden, da er eine große Menge Erucasäure enthielt, die bei Mensch und Tier schwere Organschäden hervorruft. Auch der große Anteil an Glucosinulaten, die die Schilddrüse verändern und den Geschmack des Öls negativ beeinflussen, war problematisch. Die neue Rapssorte enthält beide Stoffe nur noch in verschwindend geringen Mengen. Die Zusammensetzung der Fettsäuren in ihrem Öl ähnelt der des Olivenöls, wobei Rapsöl nun sogar mehr von der essentiellen Fettsäure α-Linolensäure enthält.

Während die neue Rapssorte in Europa „Doppel-Null-Raps“ genannt wird, heißt sie in den USA „Canola“. Obwohl der amerikanische Begriff für Raps, rape seed, aufgrund der zweiten Bedeutung des Wortes „rape“ (= Vergewaltigung) inzwischen fast durchgängig durch „Canola“ ersetzt wurde, sind Canolaöl aus Amerika und Rapsöl aus Europa jedoch nicht völlig identisch. Sie unterscheiden sich weniger in ihrer Fettsäurezusammensetzung, als in den Methoden der Züchtung: In Europa werden konventionelle Methoden wie Kreuzung und Rückkreuzung eingesetzt, weil Gentechnik nicht erlaubt ist. In den USA hingegen werden für die Züchtung gentechnische Verfahren angewandt.

Aussehen, Geschmack, Charakteristika


Die Farbe des Öles kann zwischen hell- und dunkelgelb schwanken. Unraffiniertes Öl hat einen leicht beißenden und nussigen Geschmack, den nicht jeder als angenehm empfindet. Raffiniertes Öl hingegen hat einen neutralen Geschmack.

Inhaltsstoffe


Durch seine hervorragende Fettsäurezusammensetzung trägt Rapsöl – egal, ob raffiniert oder unraffiniert - zu einer guten Versorgung mit lebensnotwendigen Fettsäuren bei. Mit einem Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren von 1:2 hilft Rapsöl, die empfohlenen Mengen einzuhalten.

Gesättigte Fettsäuren sollen maximal 10 % des Gesamtenergiebedarfs pro Tag ausmachen, ungesättigte Fettsäuren etwa 20 %. Der Gehalt an gesättigten Fettsäuren liegt mit rund 8 g je 100 g sehr gut.

Vitamin E ist in besonders hohen Mengen vertreten, jedoch müsste man, um den Tagesbedarf zu decken, mehr als 50 g Rapsöl pro Tag verzehren.

100 g enthalten:

 
Rapsöl
Energie (kcal)
875
Wasser (g)
< 1
Eiweiß (g)
0
Fett (g)
99
Kohlenhydrate (g)
0
Ballaststoffe (g)
0
Cholesterin (mg)
1
Mineralstoffe (g)
< 1
Gesättigte Fettsäuren (g)
8
Einfach ungesättigte Fettsäuren (g)
60
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (g)
32
Palminsäure (g)
3
Ölsäure (g)
52
Linosäure (g)
22
Linolensäure (g)
9
Vitamin E (mg)
23

 



Schadstoffe


Erucasäure kann sich an der Herzmuskulatur anlagern und, in größeren Mengen aufgenommen, zu Schädigungen führen. Sie darf heute nur noch zu maximal 5 % in Rapsöl enthalten sein.

Glucosinolate sind Schwefelverbindungen, die u. a. die Kropfbildung fördern und zum bitteren und beißenden Geschmack von Rapsölen beitragen. Mittlerweile werden auch einige gesundheitsfördernde Wirkungen vermutet, wie zum Beispiel die Senkung des Cholesterinspiegels.

Durch Null- und Doppelnull-Raps wird dem Risiko, das von Erucasäure und Glucosinolaten ausgeht, entgegengewirkt.

Als so genannter Null-Raps werden Sorten bezeichnet, die nur noch einen Gehalt von etwa 0,1 % Erucasäure enthalten. Erucasäure wird in dieser Sorte durch die einfach ungesättigte Fettsäure Ölsäure ersetzt. Diese ist für den menschlichen Körper wesentlich besser verträglich. Als Doppelnull-Raps werden Sorten bezeichnet, die glucosinolatarm sind und zu einer Absenkung der Erucasäure führen (siehe auch Abschnitt „Doppel-Null-Raps, Canola“).

Qualitätskriterien, optimale Lagerungsbedingungen


Es werden folgende Öle unterschieden:

* Kaltgepresstes Rapsöl, Natives Rapsöl
Der gereinigte und getrocknete Samen wird durch Druck gepresst, wobei man darauf achtet, dass dabei möglichst wenig Wärme entsteht, und anschließend mehrfach gefiltert. Ansonsten wird es nicht behandelt, daher sind Farbe und Geschmack sehr intensiv. Kaltgepresstes Rapsöl ist von goldgelber Farbe und hat ein nussiges Aroma.
Öle, die zwar kalt gepresst werden, aber zur Haltbarkeitssteigerung eine sogenannte Dampfwäsche mit warmem Wasserdampf erfahren, dürfen nicht mehr als native Öle bezeichnet werden. Außerdem ist die Dampfbehandlung auf dem Etikett zu vermerken.

* Rapskernöl (auch Canola Öl), Natives Rapskernöl
Ist ebenfalls ein kaltgepresstes Rapsöl. Manche Ölmühlen schälen die Rapssaat nach dem Trocknen, bzw. vor dem Pressen. So wird das Öl milder im Geschmack. Ansonsten gilt das gleiche, wie für kaltgepresstes Rapsöl.

* Raffiniertes oder Feines Rapsöl
Bevor die Samen gepresst werden, werden sie erwärmt um die Ausbeute beim Pressvorgang zu steigern. Nach der Pressung werden in verschiedenen Schritten Trüb-, Farb- und Aromastoffe entfernt, so dass das Öl neutral riecht und schmeckt und quasi farblos ist.

Vermutliche gesundheitliche Wirkung


Durch den Verzehr von Rapsöl können viele essentielle Fettsäuren aufgenommen werden, d. h. solche, die der Körper nicht selbst herstellen kann, die aber lebensnotwendige Funktionen übernehmen und mit der Nahrung zugeführt werden müssen. Ein gutes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren sowie von gesättigten zu ungesättigten Fettsäuren ist außerdem gegeben. Eine optimale Fettzufuhr hat allgemein Einfluss auf die Entstehung von Herzkrankheiten, Arteriosklerose und vielem mehr.

Verzehrform, Verwendung, Weiterverarbeitung, praktische Zubereitungstipps


Kaltgepresstes Rapsöl eignet sich für die Zubereitung kalter Speisen, wie Salatsaucen und Dips. Feines Rapsöl hingegen besser zum Dünsten, Braten und Backen.

Rapsöl wird häufig mit anderen Ölen gemischt und als Speiseöl vermarktet. Ein Großteil geht außerdem in die Margarineindustrie.

Neben der Produktion von Rapsöl, das zum Verzehr bestimmt ist, wird auch Öl produziert, dass als Zusatz für Schmierseifen, Reinigungsmittel und Kosmetika Verwendung findet. Bei der Pressung des Öles fällt Rapskuchen als Abfallprodukt an. Er wird aufgearbeitet und als eiweißreiches Tierfutter eingesetzt. Des Weiteren kann Raps zur Gewinnung von Treibstoff (Biodiesel) verwendet werden.

 

 

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